Dr. Just Neiss - Ganzheitliche Zahnmedizin


Zahnmedizinische Regulationsdiagnostik –
Entwicklung des Praxisschwerpunktes

Am Ende meines Zahnmedizinstudiums im Jahr 1976 ahnte ich nicht, wie unterschiedlich
sich „Zahnarzt-Sein“ gestalten kann und in welche Richtung meine zahnärztliche Entwicklung
gehen würde. Das Studium war handwerklich-mechanisch und wenig medizinisch orientiert
und „Naturheilkunde“ war mir bestenfalls als Begriff bekannt.
„Wie sind Sie denn so ein „seltsamer“ Zahnarzt geworden?“, fragte vor einiger Zeit eine
ältere Patientin, die sich nach der Sanierung zweier Zähne wieder eines schmerzfreien
Rückens erfreute. Ihre Frage nehme ich gern zum Anlass, meinen Weg als Zahnarzt und
die damit eng verknüpfte Regulationsdiagnostik, wie ich sie heute in meiner Praxis ausübe,
zu beschreiben.

Diagnostik

Die Patienten, die uns inzwischen aufsuchen, möchten keine defekten Zähne „reparieren“
lassen, sondern klären, ob (Mit)Ursachen für ihre (oft langjährigen) gesundheitlichen
Probleme im Fachgebiet der Zahnmedizin liegen, um sie dann gegebenenfalls auch
therapieren zu lassen. Erfreulicherweise breitet sich zwar die Kenntnis über mögliche
Zusammenhänge allmählich aus, aber was nützt das alte allgemeine Wissen,
„dass von den Zähnen viel kommen kann“, wenn z.B. eine Trigeminus-Neuralgie oder ein
sehr konkreter Rückenschmerz plagt und mögliche Zusammenhänge nicht durch geeignete,
detaillierte Diagnostik abgeklärt werden (können)? Ein hierfür sehr geeignetes Verfahren ist
die Regulationsdiagnostik nach Klinghardt auf der Basis der Kinesiologie. Sie ermöglicht bei
unterschiedlichsten Beschwerden präzise zu klären, ob Zahn- oder Kieferfaktoren beteiligt
sind – und wenn ja, welche.
Inzwischen kann ich mir meinen Beruf als Zahn-Arzt nicht mehr ohne die Regulations-
diagnostik vorstellen. Sie ist zu einem äußerst wichtigen, verlässlichen, hilfreichen und
unverzichtbaren Bestandteil der täglichen Praxis geworden.

Als ich vor 30 Jahren meinen ersten Kurs in Kinesiologie besuchte, war sie im Gegensatz zu
heute kaum bekannt. Sie schien damals nur eine Episode in meiner beruflichen Entwicklung
zu sein, da die damit erzielten Ergebnisse mehrheitlich nicht aussagekräftig waren. Viele und
lange Umwege waren nötig, um letztlich doch wieder daran anzuknüpfen.

Bereits Anfang der Achtziger Jahre hatte ich begonnen, mich mit Wirkungen von kranken
Zähnen auf den Gesamtorganismus zu beschäftigen und hatte bald das große Glück, einen
Kreis von Pionieren der Elektroakupunktur nach Voll (EAV) kennenzulernen, dem Ärzte und
Zahnärzte angehörten. Die Treffen dienten dem Erfahrungsaustausch mit vielen erlebten
„Geschichten” über Wechselwirkungen zwischen Zähnen und Organen oder Gelenken, was
für mich hauptsächlich eines hieß: zuhören und staunen. Denn was ich hier kennenlernte,
war eine völlig neue zahn-medizinischen Denkweise, die mir eine gänzlich neue Sichtweise
meines Fachgebietes eröffnete. Was lag näher, als die EAV erlernen zu wollen und eifrig zu
üben. Aber trotz viel guten Willens und vieler Seminare kam ich leider mit der EAV nicht zu
so klaren und eindeutigen Ergebnissen, wie sie als Grundlage für weitergehende Therapien
notwendig sind. Sie war dennoch eine wichtige Grundlage meiner späteren Arbeit. Einige
Jahre später entwickelte sich auf der Basis der EAV eine neue Methode (VEGA -Test),
mit der es mir in der Praxis leider ebenso erging - desgleichen weitere Jahre später mit der
Angewandten Kinesiologie (AK) und der Bioresonanz. Erst als ich über Dr. Jürgen Lehmann
und Dr. Dietrich Klinghardt (Seattle), die mir zu wichtigen Lehrern wurden, eine geniale Variante
des kinesiologischen Muskeltests kennenlernte, änderte sich das schlagartig: den bi-digitalen
0-Ring-Test nach Prof. Omura (New York). In abgewandelter Form verwende ich ihn auch
heute mit großer Freude und großem Erfolg. Er sieht so schlicht und einfach aus, dass man
ihn üblicherweise zunächst für völligen Quatsch hält, aber bestimmt nicht für eine seriöse
Methode, mit der sich exakte, medizinisch überprüfbare Aussagen treffen lassen. Wie in
der AK auch, wird eine Gruppe von Muskeln als Bio-Feedback-Instrument genutzt.
Dem in all den Jahren gewachsenen Wissen konnte auf diese Weise dann viel detaillierte
Erfahrung durch eigenes Testen folgen.

Zähne, Entzündungen im Kieferknochen und ihre Fernwirkungen

Anfang der 80er Jahre „durfte“ ich eine Erfahrung machen, auf die ich damals sehr gern
verzichtet hätte, die aber für meine berufliche Entwicklung sehr bedeutsam wurde:
Mein „Schulter-Arm-Syndrom“ rechts, wie die orthopädische Diagnose lautete –
genauer gesagt: der Befund. Denn von „Diagnose“ konnte wirklich keine Rede sein.
Als Zahnarzt und Rechtshänder im zweiten Berufsjahr seinen rechten Arm nur noch um
ca. ein Viertel im Vergleich zu früher heben zu können, war zwar sehr hinderlich,
zunächst aber nicht „schlimm“, da mein Vertrauen in unsere Medizin mit ihren vielfältigen
Behandlungsmöglichkeiten noch recht groß war. Meine Beschwerden im Bereich
der Lendenwirbelsäule (L4/L5), ebenso meine Knieschmerzen (rechts) und die schnelle
Überreizbarkeit der Achillessehne (auch rechts), waren relativ erträglich und standen
nicht so im Vordergrund. Wie sich später herausstellte, hatten alle aber dieselbe Ursache.

Meine grundsätzlich hoffnungsvolle Einschätzung der Behandlungsmöglichkeiten
änderte sich allerdings im Laufe der nächsten Jahre allmählich und wich einer gewissen
Rat- und Hoffnungslosigkeit. Denn die Orthopäden hatten sämtliche ihnen
zur Verfügung stehenden therapeutischen Maßnahmen angewendet
und eine wirkliche Ursache war nie gefunden worden. Fehlte nur noch eine Operation.
Dafür reichte der vorliegende Befund Gott sei Dank aber nicht aus. 

Nach 5 Jahren vergeblicher Therapieversuche brachte mich ein EAV-Seminar auf eine neue
verheißungsvolle Ursachen-Spur: Ein wurzelbehandelter, röntgenologisch unauffälliger Zahn
im rechten Unterkiefer, der zwar keinerlei Beschwerden bereitete,
aber zum selben Meridiansystem gehörte wie die Stelle des Schulterschmerzes!
Derartige Zusammenhänge waren den EAV´lern sehr bekannt.
Sie waren u.a. Inhalt des Seminars gewesen.
Bei der Suche nach einem Anlass für den Beginn meiner Beschwerden, stellte ich fest,
dass die Schulterschmerzen etwa ein halbes Jahr nach der Wurzelspitzenresektion
dieses Zahnes begonnen hatten. Damit verdichtete sich mein Verdacht auf einen
(mit)ursächlichen Zusammenhang zu meinen Schulterschmerzen.

Selbstverständlich war ich sofort bereit, mir diesen Zahn ziehen zu lassen. Aber ich erlebte
eine herbe Enttäuschung: Nach der Extraktion besserte sich mein Schulterschmerz kaum.
War also der Zahn doch nicht „schuld“ an diesen Schmerzen gewesen?!?! Doch er war.

Ein wichtiger Lernschritt folgte ein Jahr später aufgrund eines Hinweises im EAV-Arbeitskreis:
Ich ging zum Kieferchirurgen und bat ihn, diesen inzwischen verheilten,
bisher nicht prothetisch versorgten Leerkieferbereich zu eröffnen und auszuräumen,
da dort sehr wahrscheinlich noch eine restliche Entzündung vorhanden sei.
Da das Röntgenbild aber völlig unauffällig aussah, hielt er einen solchen Eingriff jedoch für
völlig sinnlos und wollte die Behandlung zunächst nicht durchführen,
willigte aber erfreulicherweise letztlich ein.
Und dann erlebte er eine große Überraschung: Der Knochen war weiträumig sehr erweicht.
Die zweite Überraschung erlebte ich:
Die Schulterschmerzen waren sofort (!) nach seiner Behandlung verschwunden -
und traten nie wieder auf.

Wie konnte das geschehen?
Als Folge der Entzündung im wurzelbehandelten Zahn war im Laufe der Jahre
der gesunde Kieferknochen in diesem Bereich stark bakteriell infiltriert worden.
Diese Entzündung wiederum hatte mir nun weiterhin diese heftigen Schulterschmerzen
bescheren können, obwohl der Zahn längst gezogen war. 

Auf diese eindrückliche Weise durfte/musste ich lernen, dass Faktoren im Zahn-Kieferbereich,
die lokal weder schmerzhaft, noch sonst wie spürbar oder auffällig sein müssen,
Fern-Wirkungen entfalten können.
Ebenso wurde durch dieses Lehrstück für mich offensichtlich, dass eine Entzündung im Kiefer
letztendlich bedeutsamer für (z.B. Schulter-) Beschwerden sein kann als ein inzwischen
längst extrahierter Zahn, der diese Entzündung zuvor verursacht hat.
Dabei ist es erstaunlicherweise völlig unerheblich, wie lange die Extraktion zurückliegt,
denn leider heilen solche Entzündungen fast nie „von alleine“ aus. Auch nach 30 Jahren nicht.

Es mag an dieser Stelle von Interesse sein, dass sich die offizielle Lehrmeinung an der
Universität seit meinem Studium in dieser Hinsicht nicht geändert hat:
´Infizierter, erweichter Knochen im Bereich der Wurzelspitze eines wurzelbehandelten
Zahnes (periapicale Ostitis) kann im Zuge der Extraktion durch Kürettage (Auskratzen)
ausgeräumt werden. Noch verbliebenes Entzündungsgewebe heilt aus.´
Leider nicht! Sonst wäre meine Schulter bereits nach Extraktion meines Zahnes schmerzfrei
gewesen. Vielmehr dringt die Entzündung unter Erhalt der Knochenbälkchen so ins Knochen-
gewebe ein, dass das Röntgenbild sehr unauffällig aussehen kann! Diese muss entweder
ausgeräumt oder auf andere Weise therapiert werden.
Da sich eine chirurgische Therapie im Laufe der Jahre oft als nicht erfolgreich genug
herausgestellt hat, wenden wir heute zwei andere Therapieformen an:
Zum einen ausgetestete Phytotherapeutika, die über einen längeren Zeitraum im Bereich
des ostitischen Knochens eingerieben werden müssen. Erfolgsaussichten: relativ gut.
Zum anderen zumeist mit einmaliger Behandlung (selten zweimal, sehr selten dreimal)
und sehr erfolgreich: Lokal angewendetes Ozon.
Diese Form der Ostitis-Therapie, die wir seit 2013 anwenden, ist in Deutschland neu
und wurde von meinem Lehrer Dietrich Klinghardt aus den USA zu uns gebracht.
Sie hat sich inzwischen zu einer unverzichtbaren Säule der täglichen Praxis entwickelt. 

Chronische Entzündungen des Kieferknochens (Kieferostitiden) sind äußerst tückisch und
liegen mit ihren vielfältigen Fernwirkungen im toten Winkel jeglicher Medizin.
Denn weder der Internist, Orthopäde, Urologe, Gynäkologe oder andere Facharzt,
noch der Zahnarzt, noch der Patient selbst kommt auf die Idee, einen Zusammenhang herzustellen
zwischen einer völlig unauffälligen Kieferostitis als (Mit)Ursache und einer Wirkung,
die scheinbar damit nichts zu tun hat – z.B. Rücken- oder Hüftschmerzen oder
einer Erkrankung der Brust, der Prostata oder des Herzens.
Neben speziellem Wissen bedarf es dann auch entsprechender diagnostischer Möglichkeiten.

Die einzige ärztliche Disziplin, in der das Wissen um mögliche Fernwirkungen von erkrankten
Zähnen immerhin eine gewisse Bedeutung erlangt hat, ist die Herzchirurgie: Vor größeren
Operationen werden die Patienten – zumindest hier in Heidelberg – routinemäßig in die
Zahnklinik zur „Focussuche“ überwiesen. Allerdings stecken die Kieferchirurgen dann
jedesmal in einem Dilemma, da es in der Zahnmedizin eigentlich keinen Focus gibt –
zumindest nicht im Sinne validierter wissenschaftlicher Studien.
Auf die Frage „Was ist denn ein Focus?“ bekommt man dort entsprechend nur sehr vorsichtige Antworten.
Aussagekräftige wissenschaftliche Forschung zu diesem Thema sucht man vergebens.
Wie lassen sich aber geeignete Therapien einleiten ohne geeignete Diagnostik und wissenschaftliche
Leitlinien? Es bleibt den Kieferchirurgen nichts anderes übrig, als auf Erfahrungswerte zurück-
zugreifen und zu hoffen, dass sie mit dem, was sie tun, dem Patienten auch wirklich helfen.

Ergänzend sei angemerkt, dass Entzündungen im Kieferknochen mit demselben
Krankheitspotential wie oben beschrieben auch nach Extraktion von völlig gesunden Zähnen
entstehen können – z.B. von Weisheitszähnen oder Zähnen, die aus kieferorthopädischen
Gründen gezogen wurden. Denn öfter als man annehmen sollte, verheilt der Knochen
nicht vollständig entzündungsfrei (Vorsicht bei Implantaten!!!).
Im Unterkiefer bleibt sogar in der Regel an den Stellen eine Entzündung zurück,
an denen irgendwann einmal Weisheitszähne extrahiert wurden –
sehr häufig mit Wirkungen, die man diesen Stellen nicht ursächlich zuordnet:
Tinnitus, Nacken- und Schulterbeschwerden hinten, „Tennisarm“, Rückenschmerzen
im untersten Lendenwirbelbereich und ISG, Herzerkrankungen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Fernwirkungen und ihre Therapie

Nach meiner sehr einprägsamen Erfahrung und erfolgreichen Therapie meiner rechten
Schulter habe ich mich dann sehr intensiv mit wurzelbehandelten Zähnen, Entzündungen im
Kieferknochen und ihren Fernwirkungen befasst und zur Freude aller Beteiligten des Öfteren
dasselbe Sofort-Phänomen erlebt, das ich bei meiner Schulter nach Ausräumung der
Kieferentzündung kennengelernt hatte. In den folgenden Jahren konnte ich einen breiten
Schatz an Erfahrungen sammeln, mit vielen Heilungsgeschichten und auch lehrreichen
Misserfolgen, denn so manches Mal blieben die erhofften bzw. erwarteten wesentlichen
Besserungen zunächst oder ganz aus oder es schlichen sich nach anfänglicher
(wesentlicher) Besserung wieder Schmerzen ein.
Von heute aus lässt sich dazu sagen:
Diese Art der chirurgischen Therapie schafft zwar verbesserte Heilungsvoraussetzungen,
die Aussichten auf vollständige Ausheilung beurteile ich aber eher zurückhaltend.
1. ist sie leider immer mit Zahnverlust verbunden,
2. wird die Entzündung meist nicht vollständig genug ausgeräumt,
3. können noch ganz andere Faktoren für den (Miss-)Erfolg eine Rolle spielen,
z.B. aus dem Fachgebiet des Internisten, wie Darm- oder Leberstörungen oder Borrelien.
Diese Faktoren prüfen wir deshalb inzwischen routinemäßig mit.   
Dennoch ist es in jedem Fall sinnvoll, einen infizierten Zahn/Kiefer-Bereich zu sanieren.

„Was machen wir denn nun mit diesem an der Wurzelspitze entzündeten Zahn? Ziehen oder nicht?“
Diese Frage stellt sich immer wieder.
Über viele, viele Jahre habe ich die Auffassung vertreten, dass er selbstverständlich
gezogen werden muss, damit der Kieferknochen ausgeräumt werden und dann ausheilen kann. 
Noch heute gilt bei den meisten ganzheitlich arbeitenden Zahnärzten die chirurgische Therapie
(Extraktion des Zahnes und Ausfräsen des Kieferknochens) als die einzig mögliche.
Wir gehen seit über 10 Jahren einen anderen Weg, von dem ich sagen kann:
Er ist sanfter und effektiver.
Der Zahn bleibt erhalten und die Entzündung im Kieferknochen wird dennoch erfolgreich therapiert.

Diese grundlegende Änderung unserer Vorgehensweise wurde durch einen Nach-Test
einer erneuten Wurzelbehandlung eines bereits langjährig wurzelbehandelten Zahnes
eingeleitet. Ein Spezialist für Endodontologie in unserer Nähe hatte einen Backenzahn
in einer Weise behandelt, die ich nie für möglich gehalten hatte.
Das Ergebnis war so hervorragend, dass ich weitere von ihm wurzelbehandelte Zähne nachtestete.
Zu meiner sehr großen Überraschung war das Ergebnis jedes Mal das gleiche:
Die Entzündung im Kieferknochen war trotz sehr sorgfältiger Prüfung nicht mehr messbar.
Offenbar war sie durch seine Maßnahmen erfolgreich zur Ausheilung gekommen,
was ich für schlicht unmöglich gehalten hatte.
Nach vielen Jahren der Zusammenarbeit mit ihm kann ich erfreulicherweise von nur
sehr wenigen Ausnahmen berichten. Aber selbst dann konnten wir noch etwas tun:
Eine nachfolgende Ozontherapie führte üblicherweise dann doch noch zum erwünschten Erfolg. 

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich darauf hinweisen, dass diese beschriebenen
Erfahrungswerte nicht für endodontologische Behandlungen anderer Spezialisten gelten können.      

Wir wundern uns heute nicht mehr, wenn sich nach einer solchen Behandlung
oder einer Ozonbehandlung in einem Bereich ohne Zahn die Herzrhythmus-
störungen oder die Magenprobleme oder Gelenkbeschwerden oder ähnliches
(deutlich) bessern oder ganz verschwinden.


Weitere Informationen zum Themenkomplex Kieferentzündung finden Sie im Internet unter
folgenden Adressen und Stichworten: www.zahnstörfelder.de, www.totezaehne.de,
www.kieferostitis.de, www.integrative-zahnheilkunde.de, chronische Kieferostitis,
Restostitis, NICO, Zahnherd, Focus, Focale Infektion, Fokalintoxikation.

Implantate

Das Thema „Entzündungen im Kiefer“ wurde im Laufe der Jahre um das Thema „Implantate“
ergänzt. Sie erfreuen sich bekanntlich großer Beliebtheit, da durch ihren Einsatz z.B. auf
herausnehmbaren Zahnersatz verzichtet werden kann. So unproblematisch wie sie gern
von zahnärztlicher Seite dargestellt werden, sind sie aus meiner Sicht jedoch nicht:
Eine notwendige und äußerst wichtige Voraussetzung, um ein Implantat im Kieferknochen
verankern zu können, ist die Entzündungsfreiheit des entsprechenden Knochenbereiches.
Das ist keine neue Erkenntnis. Wie lässt sie sich aber zweifelsfrei beurteilen?
Üblicherweise steht dafür im Vorfeld des Eingriffs nur ein diagnostisches Hilfsmittel zur Verfügung:
das Röntgenbild. Wie vorhin schon beschrieben, gibt ein Röntgenbild aber über dessen
Entzündungsgrad nicht immer ausreichende Auskunft. Infolgedessen wird manches Mal
ein Implantat in einen Kieferbereich gesetzt, der vermeintlich völlig in Ordnung ist.
Ist auf dem Bild sogar ein dunkler (=entzündeter) Bereich zu sehen, wird dieser
erschreckend einfach oft ignoriert. Erweist sich der Knochen dann beim Setzen des Implantates
womöglich als erweicht, ist selbst diese Tatsache erstaunlich oft ebenfalls kein Grund,
auf das geplante Implantat zu verzichten.
Falls sich an dieser Stelle dann nachfolgend Beschwerden einstellen, werden diese üblicherweise
dennoch nicht auf eine (noch) vorhandene Entzündung zurückgeführt,
sondern es werden unterschiedlichste therapeutische Versuche unternommen,
um diese „Periimplantitis“ zu behandeln – sehr oft mit weniger Erfolg als gewünscht.

Sowohl unsere unzulänglichen zahnärztlich-diagnostischen Möglichkeiten als auch die daraus
resultierende Unkenntnis der immensen Bedeutung von entzündetem Kieferknochen führen
dazu, dass (zu) viele Implantate in einen Bereich gesetzt werden, der dafür nicht geeignet ist –
mit fatalen Folgen! Im ungünstigsten Fall, kann eine vorhandene latente Entzündung im
Kiefer, die bisher noch keine Fernwirkungen entfaltet hatte, auf diese Weise aktiviert oder
verstärkt werden und zu massiven Beschwerden führen – z.B. zu chronischen, sehr starken
Verspannungen der Rückenmuskulatur - verbunden mit heftigen Schmerzen, Gelenk- oder
Organstörungen unterschiedlichster Art, Störungen der Sensibilität und Motorik der Beine
oder reduziertem Energieniveau.

Ein weiteres Problem bei einer Implantat-Versorgung können die verwendeten Materialien sein.
Das üblicherweise verwendete Titan gilt zwar als nicht-allergen, inert und sehr verträglich,
ruft aber des Öfteren Entzündungen hervor bzw. verstärkt sie. Zudem finden sich im
(entzündeten) Knochen, der das Implantat umgibt, nach einer Explantation überraschend oft
feinste, sichtbar dunkle Titan-Partikel, die in den Knochen hineindiffundiert sind.
Von „inert“ also keine Spur. Alternative: Keramik.
Keramikimplantate seien nicht genügend erforscht, ist immer wieder zu lesen.
Außerdem seien sie bruchanfällig und schwierig in der Verarbeitung.
Derartige Erfahrungen kann ich nach mehreren Jahren Zusammenarbeit
mit einem hiesigen Kieferchirurgen, der ebensolche verarbeitet, nicht bestätigen. 

Neben absoluter Entzündungsfreiheit und Keramik als Implantatmaterial gibt es für mich
noch eine dritte Bedingung, die erfüllt sein muss, damit ich ein Implantat empfehlen kann:
Keinerlei Verwendung von Kunststoffen oder kunststoffhaltigen Materialien für die
Befestigung der auf das Implantat geklebten Krone oder des Abutments.
Diesbezüglich verweise ich auf den nachfolgenden Abschnitt.

Materialien

Mitte der 90er Jahre wurde in der Öffentlichkeit z.T. heftig über die (Un)Verträglichkeit von
Amalgam als Füllungsmaterial diskutiert. Inzwischen ist es ruhiger um dieses Thema
geworden, wenngleich sich an den Fakten und kontroversen Standpunkten nichts geändert
hat. Da auch heute noch wissenschaftliche Untersuchungen zu äußerst unterschiedlichen
Ergebnissen kommen, ist die Beurteilung für den Laien bzw. die Betroffenen weiterhin
schwierig. Erlebt man jedoch aus nächster Nähe, um wie viel besser es jemand gehen kann,
wenn das Amalgam sachgemäß entfernt und anschließend ausgeleitet wird – das sind zwei
notwendige Bedingungen – dann muss man nicht mehr lange überlegen, ob Amalgam
harmlos ist oder nicht. Fakt ist: Zahnärzte müssen „herausgebohrtes“ Amalgam als
Sondermüll entsorgen, denn in einer Amalgam-Füllung sind minimal 47% Quecksilber
enthalten. Übrigens bestreitet niemand, dass Quecksilber hoch toxisch ist und insbesondere
auf die Nerven wirkt – was manchen Kollegen trotzdem nicht daran hindert, Ausleitungs-
therapien grundsätzlich als „obskur“ zu verunglimpfen. Was aber sicher zutreffend ist:
Nicht alle Menschen mit Amalgam-Füllungen müssen krank sein oder werden,
geschweige denn gleichartige Symptome entwickeln. Davon einmal abgesehen –
Materialien, die als Amalgam-Ersatz verwendet werden, müssen nicht automatisch
besser bzw. verträglicher sein.

So rückten bald auch andere Füllungs- und Zahnersatz-Materialien in den Blick.
Viele Jahre bin ich davon ausgegangen, dass es eine individuelle Unverträglichkeit für ein
bestimmtes Material gibt. Diese Auffassung beurteile ich heute zwar nicht als grundsätzlich
falsch, sie berücksichtigt aber wichtige Aspekte des Themas nicht: (Un)Verträglichkeiten
können sich verändern, d.h. sie können sich sowohl verbessern als auch verschlechtern.
In hohem Maße sind sie abhängig von der individuellen Reaktionslage des Immunsystems,
von der gegenwärtigen Summe aller bakteriellen, viralen, toxischen und sonstigen
Belastungen („body burden“), von genetischen und anderen Faktoren. Grundsätzlich ist
es sehr wohl möglich, durch geeignete Diagnostik und entsprechende Therapien eine Reduktion
dieser Faktoren zu erzielen und damit die Verträglichkeit von Materialien zu erhöhen.

Friedrich Ochsenreither möchte ich noch erwähnen, den ich Ende der 80er Jahre kennen-
gelernt hatte. Als gelernter Dipl. Ing. und Heilpraktiker hatte er ein diagnostisches Verfahren
(DRT) entwickelt, mit dem er z.T. feiner messen konnte als mit der EAV möglich. Sehr schnell
hatte er damit die überragende Bedeutung der Zähne, Entzündungen im Kieferknochen und
Zahnmaterialien für die gesamte Gesundheit erkannt und wurde für viele ganzheitliche
Zahnärzte und für mich zu einem wichtigen Impulsgeber – trotz seiner z.T. äußerst extremen
Ansichten, die bei mir zu einer sehr kritischen Distanz geführt hatten.
Rückblickend wage ich heute zu sagen, dass er in mancher Hinsicht aber seiner Zeit voraus
war, insbesondere die Kunststoffe betreffend. Meine grundsätzlich skeptische Grundhaltung
diesen Materialien gegenüber geht auf ihn zurück. Ohne sie hätte ich mich wohl nie in der
Weise den Kompositen zugewendet, wie es der Fall ist.

Diese Materialien sind inzwischen in aller Munde und gewinnen weiterhin an Bedeutung, da
zunehmend großer Wert auf „schöne Zähne“ gelegt wird. Aber auch sie können sehr unheil
-volle Wirkungen auf den gesamten Organismus ausüben, wie wir immer wieder feststellen.
Systemische Wirkungen von Kompositen (Kunststoff-Füllungen, Kleber für Kronen, Brücken,
Inlays, Veneers, Brackets und Retainer, ebenso wie Versiegelungen bei Kindern zur Karies
-Prophylaxe) sind inzwischen aus gutem Grund zu einem wichtigen Schwerpunktthema
meiner Praxis geworden. Viele der bisher beobachteten möglichen Fernwirkungen dieser
Materialien gleichen sehr auffallend denen, die von Entzündungen im Kieferknochen
'ausgehen bzw. mitverursacht werden können: Gelenk- oder Muskelbeschwerden, Organ
-störungen, Tumoren, Energiedefizit und andere Allgemeinsymptome, Kopfschmerzen,
Tinnitus, Hauterkrankungen. Folgende Symptome lassen sich nach meinen Beobachtungen
nur den Kompositen zuordnen: Übelkeit, Beinödeme, hormonelle Störungen.

Bisher geht die Wissenschaft davon aus, dass diese Materialien keine systemischen
Wirkungen im Sinne von Allgemeinerkrankungen oder Symptomen außerhalb des Mundes
hervorrufen können. Ein wichtiger Grund für diese Annahme liegt darin, dass es keine
anerkannten Methoden gibt, mit denen bei möglicherweise Betroffenen ebendiese geprüft
werden könnten. Alle wissenschaftlichen Untersuchungen verschiedenster Materialien auf
mögliche systemische Wirkungen – im Gegensatz zu lokalen – wurden und werden an
Versuchstieren gemacht, meist an Mäusen und Ratten. Entsprechend zurückhaltend wird
die Übertragbarkeit auf den Menschen beurteilt.

Mit der Regulationsdiagnostik nach Klinghardt (RD) steht uns jedoch ein Bio-Feedback-
Verfahren zur Verfügung, mit dem im konkreten Einzelfall ein möglicher Zusammenhang
zwischen dem Schulter-, Hüft- oder Knieschmerz o.ä. und einem oder mehreren Kompositen
geklärt werden kann.

Wenn ein solcher Zusammenhang gefunden wurde, ist die Therapie im Prinzip relativ einfach,
wenn auch schwierig im Detail: Lichthärtende Komposite müssen „lediglich“ mit dem dafür
geeigneten konzentrierten Blaulicht nochmals beleuchtet werden.
Diese Entdeckung meinerseits ermöglicht zum einen, die zahnärztliche Versorgung am/im
Zahn zu erhalten, sie zu entstören und damit die von ihnen ausgehende Belastung für
Gelenke oder Organe und Gewebe zu reduzieren oder beseitigen. Wenn keine weiteren
Ursachen-Faktoren beteiligt sind, kann auch in diesem Zusammenhang ein Sofort-Phänomen
auftreten: sofortige und dauerhafte Beschwerdefreiheit z.B. an der Schulter oder am Knie.
Systemische Wirkungen lassen sich auf diese Weise sehr eindrucksvoll nachweisen.
Das „Nachhärten“ kann jedoch auch sehr aufwändig sein, da in der Regel,
auf mehrere Sitzungen verteilt, noch sehr oft nachbeleuchtet werden muss.

Siehe auch auf dieser Webseite die Artikel über die Kunststoffe und das Nachhärten
unter „Publikationen & Texte“.
Empfohlener Link: www.dr-fonk.de/stoerende _zahnwerkstoffe.htm - von der Webseite: www.dr-fonk.de

Funktionsanalyse

Nicht nur in ganzheitlich orientierten Zahnarzt-Praxen sind in den letzten Jahren die
Funktionsanalyse des „Kauapparats“ und die Cranio-Mandibulären-Dysfunktionen (CMD)
zu einem bedeutsamen Thema geworden: Migräne, Kopfschmerzen, Kiefergelenksprobleme
mit Beteiligung der Kaumuskulatur, Verspannungen der Nacken- und Rückenmuskulatur,
„Ischias“ heftigster Art, Beckenschiefstand, Hüft-, Knie-und Ellbogenbeschwerden u.a.
können auch Folgen einer Dysbalance der Funktionseinheit Mund-Kiefer sein.
Hier nur einige Stichworte dazu:
Stress, Biss, Fehlstellung, Fehlbelastung, Frühkontakte, Schienentherapie, physiologische
Kondylenposition.

Auch in diesem Zusammenhang hat sich die zahnmedizinische Regulationsdiagnostik äußerst
bewährt und ist mir zu einem unverzichtbaren Bestandteil einer differenzierten Diagnostik
geworden. Ob sich z.B. beide Kiefergelenkköpfchen in der ihnen gemäßen Lage befinden
(physiologische Kondylenposition) oder welche Zähne sich überlastet fühlen, lässt sich auf
diese Weise ebenso detailliert prüfen wie die dann eingeleiteten therapeutischen Schritte.
Sehr häufig treten CMDs nach Versorgung von Zähnen im Ober- und Unterkiefer mit Keramik-
Kronen oder -Inlays auf. Leider können bereits wenige Hundertstel Millimeter „zu viel“, die
wir Zahnärzte mit herkömmlichen Mitteln nicht geeignet diagnostizieren können, so manches
Mal zu unangenehmsten Folgen, deren Ursachen aber nur in seltenen Fällen bei den Zähnen
gesucht und gefunden werden – z.B. bei therapieresistenten Nackenbeschwerden.

Zusammenfassung

Zum Schluss möchte ich noch einige wesentliche Punkte zusammenfassen.
Gleichgültig von welchen chronischen Beschwerden oder Krankheiten jemand beeinträchtigt
oder geplagt wird, die Wahrscheinlichkeit, dass von den beteiligten Faktoren auch Ursachen
im Fachgebiet des Zahnarztes liegen, ist sehr viel höher als wir üblicherweise annehmen.
Den Außenstehenden scheinen 70% völlig überzogen und unglaubwürdig, den Insidern nicht (mehr).
Die Liste solcher Erkrankungen ist lang:
Kopf-, Schulter-, Ellbogen-, Hand/Finger-, Rücken-, Hüft-, Knie-, Fuß- Schmerzen,
Organstörungen an Herz, Nieren, Blase, Magen, Darm, Lunge, Leber, Milz, Augen,
Schilddrüse, Mamma, Prostata, des gesamten Urogenital-Bereichs, Tumoren verschiedener Art,
Tinnitus, Trigeminus-Neuralgie und andere neurologische Erkrankungen, Hauterkrankungen,
Beinödeme, hormonelle Störungen, unregelmäßige Menstruationsblutungen, Bluthochdruck,
Herzrasen, MS, Fibromyalgie, Rheuma, Migräne, Schwindel, Übelkeit, Allergien,
Energiedefizit, Infektanfälligkeit, Konzentrations-, Lern-, Schlafstörungen u.a..

Erste Hinweise auf Zusammenhänge lassen sich u.U. bereits durch die Antworten auf zwei
Fragen finden:

  1. Seit wann bestehen die Beschwerden?
  2. Welche zahnärztlichen Behandlungen wurden in den vorausgegangenen Monaten
    oder ein bis zwei Jahren durchgeführt?

Häufig manifestieren sich Symptome innerhalb dieses Zeitraumes. Dennoch ist es ebenso
möglich, dass z.B. die entscheidende Zahnbehandlung, in der zwei Keramik-Inlays eingeklebt
wurden, 8 Jahre zurückliegt – oder die Amalgamentfernung ohne Ausleitung bereits 20 Jahre.
Eine detaillierte Diagnostik ist in jedem Fall sinnvoll.

Seit ich unter Verwendung eines Signalverstärkers und Polarisationsfilters arbeite, erfreue ich
mich einer neuen Dimension der Präzision der Regulationsdiagnostik nach Klinghardt (RD)
auf der Basis der Kinesiologie. Wie beschrieben lassen sich mit ihr Belastungsfaktoren und
(Mit)Ursachen präzise prüfen, z.B. ob ein Zusammenhang zwischen dem Bereich eines
Bandscheibenvorfalles und Zahn-Kieferfaktoren besteht – und wenn ja,
welcher Zahn-Kieferbereich daran beteiligt ist.
Bei Allgemeinerkrankungen ist die Diagnostik komplexer und die Symptome sind nicht immer
zweifelsfrei zuordnungsfähig. Dennoch lassen sich meist Faktoren finden, die Einfluss auf z.B.
Bluthochdruck, Schlafstörungen oder Allergien verschiedenster Art haben.

„Es muss tatsächlich an den Zähnen gelegen haben. In meinem Alter wird nichts besser,
sondern nur schlechter“, hatte die anfangs erwähnte Patientin festgestellt – wohlwissend
wie extrem skeptisch sie vor der Sanierung ihrer beiden Zähne gewesen war.

Ich freue mich sehr, heute diagnostische Möglichkeiten zur Verfügung zu haben, mit denen
sich im konkreten Einzelfall mögliche Zusammenhänge zwischen dem Zahn-Kiefer-Bereich
und chronischen Beschwerden oder Krankheiten präzise prüfen lassen, um ursächliche
Therapien einzuleiten.

Mein Wunsch für die Zukunft: Möge das Wissen um derartige Zusammenhänge selbst-
verständlich werden und sowohl in der Praxis seine tägliche Anwendung als auch in der
Wissenschaft seine theoretische Grundlage finden!
Viel Leid, Aufwand und Kosten ließen sich vermeiden.

© Copyright 2012 - Dr. Just Neiss
    Letzte Aktualisierung 2018